„Zögerliches Vorgehen hat mich geärgert“

Jettinger Bürgermeister: Umgehung ist keine Fehlplanung

Von unserem Redaktionsmitglied Georg Schalk

Günzburg

Die Jettinger Umgehungsstraße ist derzeit in aller Munde. Nach zahlreichen schweren Verkehrsunfällen
mit Toten und Verletzten kamen Zweifel an der Verkehrssicherheit des Abschnitts auf. Unter dem Druck
der Öffentlichkeit und angesichts der verhängnisvollen Karambolagen hat Landrat Hubert Hafner Ende
vergangener Woche eine Geschwindigkeitsreduzierung und den Bau eines Kreisverkehrs an der Goldbacher
Kreuzung in die Wege geleitet (GZ berichtete). Gestern sprachen wir mit Hans Reichhart, dem Bürgermeister
der Marktgemeinde Jettingen - Scheppach, darüber.

Frage: Wie sehen Sie den Vorstoß des Landrats?
Reichhart: Sehr positiv. Es hat sich gezeigt, dass die Goldbacher Kreuzung sehr, sehr schwierig ist.
Frage:
Warum hat es denn acht Jahre gedauert, bis man zu dieser Erkenntnis gekommen ist?
Reichhart: Das liegt nicht an uns. Experten waren der Meinung, dass es auch mit anderen Möglichkeiten zu schaffen ist,
die Kreuzung sicherer zu machen.
Frage: Welche Experten?
Reichhart: Vom ADAC, vom Straßenbauamt und vom Landkreis.
Frage:
Und an welche Möglichkeiten ist gedacht worden?
Reichhart: Unter anderem sind Sichtschutzblenden angebracht worden. Doch die haben nicht das gebracht, was man von ihnen
erhofft hat.
Frage:
Die Jettinger Umgehungsstraße gibt es seit 1997. Seitdem ereigneten sich dort 40 Verkehrsunfälle mit sieben Tote und einer
ganzen Reihe von Schwerverletzten. Funktioniert die Entlastungsstraße oder ist sie eine Fehlplanung?
Reichhart: Auf jeden Fall funktioniert sie. Etwa 90 Prozent des Schwerlastverkehrs ist aus der Ortschaft draußen. Früher hatten wir
rund 14000 Fahrzeuge pro Tag, heute sind es etwa 4000 weniger. Und wenn die stark frequentierte Kreisstraße GZ 17 von Wettenhausen
nach Freihalden nicht wäre, hätten wir innerorts sicherlich noch weniger Verkehr.
Frage:
Die Situation ist ja paradox: Die Umgehungsstraße ist immer noch eine Ortsstraße, für die die Marktgemeinde zuständig ist,
und die Hauptstraße durch Jettingen und Scheppach ist eine Staatsstraße, für die das Straßenbauamt verantwortlich ist. Das soll
doch geändert werden, oder?
Reichhart: Richtig, und zwar zum 1. Juli. Ursprünglich war der Tausch bereits zum 1. April geplant, doch dazu fehlten einige Vorarbeiten.
Aus formalen Gründen wird die Umgehungsstraße also voraussichtlich erst Mitte des Jahres eine Staatsstraße und unsere Ortsdurchfahrt
zurückgestuft.
Frage:
Es heißt, dass manche Autofahrer lieber durch Jettingen fahren, weil sie sich dort sicherer fühlen als auf der Entlastungsstraße.
Reichhart: Man muss überall wachsam sein. Ich will bestimmt nichts gegeneinander aufrechnen, aber tödliche Verkehrsunfälle
hatten wir in der Ortsmitte leider auch schon.
Frage:
Haben die Behörden geschlafen, wie in Leserbriefen kritisiert wurde?
Reichhart: Nein, geschlafen hat niemand. Es war genauso das Ziel, den fließenden Verkehr auf der Umgehungsstraße auch fließend
zu halten. Man wollte einen Schritt nach dem anderen gehen. Jetzt ist aber mittlerweile so viel passiert, dass man handeln musste.
Frage:
Wie ist eigentlich Ihre Haltung und die des Gemeinderates zu diesem Problem?
Reichhart: Vor allem eine Temporeduzierung ist von uns immer wieder gefordert worden. Die zögerliche Handhabung mit der Geschwindigkeits-
Begrenzung hat mich schon geärgert. Auch ein Kreisverkehr war regelmäßig ein Thema.
Frage:
Stehen die Schilder mit „Tempo 70“ vor der Goldbacher Kreuzung schon?
Reichhart: Nein. Aber sobald die Anordnung da ist, werden wir die Verkehrsschilder aufstellen.
Frage: Und der Kreisverkehr?
Reichhart: Das ist Sache des Landratsamtes und der Regierung von Schwaben beziehungsweise des Staatlichen Straßenbauamtes
Neu-Ulm. Wann der Kreisverkehr gebaut wird, kann ich nicht sagen. Die Planung, wie groß er wird, liegt beim Straßenbauamt.
Frage:
Dazu braucht die öffentliche Hand aber private Grundstücke. Glauben Sie, dass es ein Problem wird, sie zu bekommen?
Reichhart: Ich denke, dass eine große Bereitschaft der Grundstücksbesitzer vorhanden ist, hier mitzumachen.
Frage:
Und was wird die Marktgemeinde tun, wenn die Ortsdurchfahrt keine Staatsstraße mehr ist?
Reichhart: Dann werden wir überlegen, ob und wie wir die Straße um- und zurückbauen können. Unser Ziel ist, innerorts mehr
Parkplätze zu schaffen und mit ruhendem Verkehr den fließenden zu stoppen. Eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs versprechen
wir uns auch durch die Verlagerung der Autobahn-Anschlussstelle nach Westen.
Frage:
Bestimmt hoffen Sie, dass die Unfallserie auf der Umgehungsstraße nun schnell ein Ende findet...
Reichhart: Ja, denn jeder dieser Unfälle macht mich betroffen.

 

Erst in der vergangenen Woche ereignete sich auf der Jettinger Umgehungsstraße ein schwerer Unfall. Landrat Hafner hat den Bau eines Kreisverkehrs in die Wege geleitet. Bild: Weizenegger