Ruf nach Kreisverkehr immer lauter
Bericht aus der Günzburger Zeitung vom
07.04.2005
Bürger und Politiker fordern Entschärfung der Jettingen-Scheppacher „Todeskreuzung“
Jettingen-Scheppach (bj). Sie hat im Laufe der Jahre traurige
Berühmtheit erlangt: die Kreuzung der Kreisstraße
GZ 17 Goldbach-Jettingen mit der Entlastungsstraße von Jettingen-Scheppach.
Sechs Menschen verloren seit
Eröffnung der Umfahrung (1997) dort ihr Leben. Erst am vergangenen Freitag
verunglückte auf der Kreuzung
eine 74-jährige Autofahrerin aus Jettingen, die die Ortstangente von Goldbach
her überqueren wollte. Wenige
Stunden später verstarb sie im Klinikum Augsburg. Nach dem tödlichen Unfall ist
die Diskussion um eine
bauliche Entschärfung der unfallträchtigen Einmündung von neuem entbrannt.
„Wie viele Tote und Verletzte muss es an der berüchtigten
Kreuzung GZ 17/Entlastungsstraße noch geben, bevor die Beteiligten
handeln?“, fragen Jettinger Bürger, darunter der Ehemann der jüngst
verunglückten Frau. In einem Brief an die Günzburger Zeitung
sprechen sie die Marktgemeinde Jettingen-Scheppach, das Straßenbauamt
Neu-Ulm, die Polizeiinspektion Burgau und das Landratsamt
Günzburg an. Viele Bürger, die Anteil am Tod der 74-jährigen Jettingerin nehmen,
fragten sich, „warum hier nicht ein Kreisverkehr gebaut
wird“, so die Unterzeichner des Briefes. Sie zählen mehrere nachahmenswerte
Beispiele auf. Für die neue Umfahrung von Gundelfingen
und Lauingen seien zehn Über- und einige Unterführungen gebaut worden, um diese
Straße kreuzungsfrei zu gestalten. Auf der neuen
Umfahrung von Vöhringen seien Kreisverkehre an zwei Stellen entstanden, die in
etwa gleich nahe beieinander liegen wie die beiden
Kreuzungen der Jettingen-Scheppacher Westtangente. Das Gleiche gelte für die
Umfahrung von Reimlingen bei Nördlingen. Und auch an
der neuen Autobahnausfahrt Neusäß sei ein Kreisverkehr errichtet worden.
Angesichts dieser Vorbilder und des erneuten tödlichen Unfalls
zwischen Jettingen und Goldbach wäre es – so schließen die Briefschreiber – „an
der Zeit, diese Fehlplanungen, die beim Bau der
Entlastungsstraße gemacht wurden, schnellstens zu korrigieren“.
Sechs tödliche Unfälle seit 1997
Als Argumente haben die Befürworter der Kreisverkehre die
Statistik auf ihrer Seite. Die Unfallzahlen an der neuralgischen Kreuzung sind
dramatisch. Nach Angaben der Polizeiinspektion Burgau ereigneten sich seit 1997
auf der „Goldbacher Kreuzung“ 39 Unfälle, davon endeten
sechs tödlich. Insgesamt kamen an den drei Einmündungen in die Entlastungsstraße
zehn Verkehrsteilnehmer ums Leben. Im Gegensatz
dazu stehen die Unfallzahlen an Kreisverkehren, die – so Polizeichef Hans
Wiedersatz – „gegen null gehen“. Angesichts dieser Fakten dürfte
es den Fachbehörden immer schwerer fallen, sich weiter einer baulichen
Veränderung der Jettinger „Todeskreuzung“ zu widersetzen. Davon
geht zumindest Jettingen-Scheppachs Bürgermeister Hans Reichhart aus. Er ist
„sehr zuversichtlich“, dass das Straßenbauamt nun endlich
grünes Licht für einen Kreisverkehr gibt. Reichhart dämpft aber auch die
Erwartungen: Der Kreisel werde „nicht von heute auf morgen kommen“.
Als Übergangslösung hofft er auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h.
Die Entschärfung der Gefahrensituation auf der Entlastungsstraße
ist Reichhart zufolge umso dringlicher, als durch die Westverschiebung der
Autobahnanschlussstelle, die ab dem nächsten Jahr vorgesehen ist,
künftig weit mehr Verkehr auf der Umfahrung fließen wird. Rückendeckung bekam
Reichhart bei der jüngsten Kreistagssitzung. CSU-Kreisrat Michael
Mayer (Röfingen) verwies auf ähnliche Kreisverkehre außerhalb geschlossener
Ortschaften in Dillingen, Lauingen und Thannhausen, die sich bestens
bewährt hätten. Gerd Olbrich (SPD) machte sich ebenfalls für einen Kreisverkehr
stark: „Wir müssen massiv etwas unternehmen.“ Landrat Hubert
Hafner bekam den Auftrag, sich wegen einer „baulichen Lösung“ (Kreisverkehr oder
versetzte Kreuzung) mit dem Straßenbauamt Neu-Ulm in Verbindung
zu setzen. Außerdem hat der Verkehrsexperte im Landratsamt, Robert Hieber, wegen
des Unfallschwerpunkts nochmals die Regierung von Schwaben
um eine Stellungnahme gebeten. Der Bitte nach einer Ortsbesichtigung, die im
Herbst vorigen Jahres an sie herangetragen wurde, ist die höhere
Verkehrsbehörde bislang nicht nachgekommen
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39 Verkehrsunfälle, davon sechs mit tödlichem Ausgang,
ereigneten sich seit der |