Feuerwehren: Geldhahn wird abgedreht

Aus der GZ vom 31.03.04

Kreisbrandmeister prophezeit Flächenbrand der finanziellen Art - Versammlung der Kommandanten in Kissendorf

Bibertal-Kissendorf (ul).
Eine Hand voll Zivilisten unter 213 Uniformträgern - am Montag gingen sie in der Kissendorfer Mehrzweckhalle unter. Die dunkelblau gekleideten Männer, allesamt Kommandanten und deren Stellvertreter der Feuerwehren im Landkreis Günzburg, hielten dort unter der Regie von Kreisbrandrat Robert Spiller und Landrat Hubert Hafner Rückschau auf das vergangene Feuerwehrjahr - "auf ein verhältnismäßig ruhiges Jahr", sagte Spiller und registrierte "ein paar kleine Waldbrände". Er prophezeite für heuer Flächenbrände finanzieller Art, setzt das Land Bayern den scharfen Sparkurs wie angekündigt um.


Als Hausherr schlug Bürgermeister Robert Strobel schrille Töne an, forderte "gemeinsames Durchhalten" gegenüber den Münchner Einschnitten. Das seien wahrlich keine schönen Aussichten für die Gemeinde Bibertal, wenn das Land Bayern wie bei der Kleinteilebeschaffung jetzt statt einzelner Anträge für die sieben Ortsteilfeuerwehren jährliche Pauschalen beim Kauf von Fahrzeugen und beim Gerätehausbau auswerfe.
Stellvertretend für die 115 Freiwilligen Feuerwehren, die acht Werks- und die eine Betriebsfeuerwehr mit insgesamt 4248 Aktiven nahmen die 225 Besucher in Kissendorf die Berichte von Landrat und Kreisbrandrat entgegen. Beide kündigten schmerzliche Einbußen bei staatlichen Zuschüssen an. Spiller bezifferte das Manko heuer auf 9,4 Prozent weniger Fördermittel in den Kassen, "die dringend zur Beschaffung von Fahrzeugen und zum Bau von Feuerwehrgerätehäusern benötigt wären". Wie der bayerische Landesfeuerwehrverband und der Bayerische Gemeindetag protestierte die Günzburger Vertretung energisch. Wenigstens "die Gelder aus der Feuerschutzsteuer müssen in Zukunft ungeschmälert den Gemeinden für Beschaffungen zur Verfügung stehen."
Ähnlich kritisch sah der Landrat in die Zukunft, betonte jedoch: "Der Kreishaushalt schießt heuer 90000 Euro zu." Er tue das unter dem Aspekt der Sicherheit und des beträchtlichen Engagements der Florianshelfer. Günzburg wisse, dankte Hubert Hafner den Kommandanten, Mannschaften und Jugendwehren: "Die Feuerwehren entwickeln sich von Jahr zu Jahr mehr zu einer Universalwehr in Notlagen der Bürger, seien es Brände, Verkehrsunfälle oder technische Hilfe aller Art."
Die Statistik von 2003 hielt 1441 Einsätze fest, aufgegliedert in Brandeinsätze (248), Sicherheitswachdienste (206), Fehlalarme (165) und Technische Hilfeleistungen (822). Die 12956 Feuerwehrfrauen und -männer leisteten 24814 Einsatzstunden. Im Rückspiegel des Kreisbrandrats bekam die Ausbildung großes Gewicht, und Spiller untermauerte das mit vor Ort gehaltenen Lehrgängen für Atemschutzträger (71), Maschinisten (30), Truppmänner (60), Einsatzleitung (35) und Abordnungen an die Feuerwehrschulen (166). Wie wertvoll diese Ausbildung ist, belegten die 735 Leistungsabzeichen aller Art - das waren 249 mehr als im Jahr vorher.
Neue Fahrzeuge schafften Oberwaldbach, Kleinkötz, Günzburg, Burgau und Krumbach-Hohenraunau an. Spillers Bericht landete bei der von Helmut Werdich und Hans Malec gut organisierten, wertvollen Lehrfahrt nach Landshut sowie den erholsamen Tagen im Feuerwehrheim Bayrisch Gmain, die Walter Honold wieder einmal ausgezeichnet betreute.
Ausbildung bleibt auf der Tagesordnung des Feuerwehrnachwuchses, entnahm der Saal dem Bericht des Jugendwarts Willi Sauter, der für 36 (von 74 örtlichen Jugendgruppen mit 715 Mädchen und Buben) aus dem Kreisgebiet und für 140 Gruppen aus Schwaben am 26. Juni in Ettenbeuren das Schwäbische Jugendwerk-Camp ausrichtet und zum Kreisjugendzeltlager in Niederraunau einlädt.
Aus aktuellem Anlass zeigte Stephan Pawlitschko, welche Rechte und welche Pflichten bei Fahrten mit Sondersignal bestehen. Kein Freibrief sei das für Feuerwehr, Rotkreuz und Polizei, sagte der Polizeibeamte zu den Unfällen und erläuterte die gesetzlichen Vorschriften für Blaulicht und Martinshorn. Oberster Grundsatz: "Sicherheit geht vor Schnelligkeit", das gelte besonders bei der auf Rot geschalteten Verkehrsampel, notfalls müsse das Feuerwehrfahrzeug anhalten können.
Zweimal stellte die Kissendorfer Feuerwehr-Versammlung Führungsspitzen in den Mittelpunkt. Anfangs meldeten sich die neuen (11) Kommandanten oder Stellvertreter (16). Aus dem Verbreitungsgebiet der GZ waren das die Führungen aus Günzburg, Ettenbeuren, Hochwang, Ichenhausen, Jettingen, Kissendorf, Konzenberg, Limbach, Oberknöringen, Roßhaupten, Schnuttenbach, Winterbach und AKW Gundremmingen. Im südlichen Landkreis waren es die Wehren Behlingen, Lauterbach, Memmenhausen, Obergessertshausen und AKsys Werk Krumbach. Anschließend ehrte der Kreisfeuerwehrverband besonders treue Kommandanten (7) und bat sie, ihre Erfahrungen an nachrückende Kräfte weiter zu geben.
Robert Spiller, als Kreisbrandrat und als Verbandsvorsitzender an vorderster Stelle des Günzburger Brandschutzes, skizzierte im Telegrammstil die Arbeit der Organisation. Dort ging es um die Notfallseelsorge, den "Tag der Jugend", das Jubiläum "Zehn Jahre Kreisfeuerwehrverband Günzburg", ums Kegelturnier und einen Empfang beim Bayerischen Innenminister. Vorsitzender Spiller unterrichtete auch die Atemschutzträger zum Thema "Flash Over".
Wie in der Vorjahren öffnete Schatzmeister Wolfgang Härtl die Kasse, um zu zeigen, wie haushälterisch der Feuerwehrverband mit Mitgliedsbeiträgen (19 400 Euro), Spenden (5 600 Euro) umging. Revisor Helmut Maier bestätigte dies nach Durchsicht der 383 Buchungen.